“Húmus” von Raul Brandão war im literarischen Leben Portugals ein herausragendes Ereignis, wie einer jener Felsen, die ohne ersichtlichen Grund mitten in einer Ebene auftauchen.

1917 veröffentlicht und in späteren Ausgaben immer wieder neu formuliert, hat das Werk keinerlei Beziehung zu dem der Autoren aus der “Geração de 90” (der Generation der 1890er Jahre) und auch nicht zu dem der zeitgenössischen Schtriftsteller aus dem Ausland, wie Romain Rolland, Pirandello oder Gorki. Die einzigen Ähnlichkeiten, die es gibt, bestehen zum Werk Dostojewskis und dem, das Kafka noch schreiben würde.

Raul Brandão machte die Zeit, in die “Humus” sich einschreibt, zum Gegenstand seiner Memoiren: «Unsere Epoche ist fürchterlich, denn wir glauben nicht mehr – und glauben noch nicht. Die Vergangenheit ist verschwunden, und von der Zukunft sind nicht einmal Grundlagen vorhanden. Und da stehen wir ohne Obdach, zwischen Ruinen, und warten…»

Maria João Reynaud umschrieb den Beitrag des Autors von “Humus” in der vollständigen Ausgabe von Raul Brandãos Werken wie folgt: «Wenn die Kunst Raul Brandãos häufig an der Grenze des Lebens zur Literatur aufscheint, dann deshalb, weil er die Funktion des Schriftstellers in vollkommen modernen Begriffen verstand, in enger Verbindung also zu einer intellektuellen Haltung, die in jedem Augenblick die freie Ausübung des Geistes gegen alle Formen von Verfall menschlicher Werte und gegen alle Dogmen verlangt.»

Quelle: Relógio d’Água

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