Eine Lehrerin wird von einem vierzehnjährigen Schüler schwanger, ein Skandal im Jahr 1987. Portugal schwankt zwischen Postrevolution, Katholizismus, Bigotterie und Libertinage. Eine junge Journalistin soll sich der Geschichte annehmen. Der Junge ist Sohn einer alleinerziehenden kapverdischen Mutter, der Vater, der sich aus dem Staub gemacht hat, ist Portugiese aus gutem Hause; eine andere Lehrerin derselben Schule wird vergewaltigt – was niemand wissen darf, und in der Redaktion der schicken, linken Tageszeitung wird Freizügigkeit mit Ausbeutung und sexueller Übergriffigkeit verwechselt. Die Familiengeschichten der Beteiligten erzählen von Demütigung und dem langen Arm autoritärer Konventionen, subtiler Gewalt und Verschweigen, manchmal verzweifelter Suche nach Liebe und Befreiung in den Geschlechterbeziehungen. Mehr als ein Roman ist O Processo Violeta ein großes Sittengemälde der 1980er Jahre und darüber hinaus, nicht nur in Portugal. Für mich eines der wichtigsten Bücher des Jahres 2019.

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